Die latente Ertragsteuerlast in Erb- und Familienrecht

Sowohl im Erbrecht beim Pflicht­teils­streit sowie der Aus­ein­an­der­set­zung der Erben­ge­mein­schaft wie auch im Fami­li­en­recht beim Zuge­winn­aus­gleich stellt sich regel­mä­ßig die Fra­ge nach der Bewer­tung von Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den. Laten­te Ertrag­steu­ern haben ganz erheb­li­chen Ein­fluss auf die Bewer­tung und das wirt­schaft­li­che Ergeb­nis der Aus­ein­an­der­set­zung und dür­fen des­halb kei­nes­falls igno­riert werden.

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Vermeiden Sie diese Todsünden bei der Vermögensnachfolge, Teil 3

Die Sache mit den 10-Jahresfristen

In der erbrecht­li­chen Bera­tung sind Fra­gen nach den 10-Jah­res­fris­ten im Erb- und Erb­schaft­steu­er­recht bereits im Erst­be­ra­tungs­ge­spräch üblich und die Schluss­fol­ge­run­gen häu­fig für die wei­te­re Ver­mö­gens­nach­fol­ge­ge­stal­tung entscheidend. 

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Beispielsfall Pflichtteilsanspruch

Sach­ver­halt: Vater Joseph stirbt im Alter von 87 Jah­ren. Er hin­ter­lässt die Wit­we Maria, mit der er kei­nen Ehe­ver­trag abge­schlos­sen hat und 2 voll­jäh­ri­ge Kin­der, Mar­tin und Katha­ri­na. Mar­tin hat vor 5 Jah­ren einen Pflicht­teils­ver­zicht abge­ge­ben und dafür ein Geld­ge­schenk von € 50.000,00 erhal­ten. Per Tes­ta­ment hat Joseph die Maria zur Allein­er­bin ein­ge­setzt. Katha­ri­na ist vom Nach­lass­ge­richt über ihr Pflicht­teils­recht in Kennt­nis gesetzt wor­den und will nun wis­sen, in wel­cher Höhe ihr Anspruch besteht.

Im Nach­lass des Joseph befin­den sich € 100.000,00 Kon­to­gut­ha­ben und eine Eigen­tums­woh­nung im Wert von € 200.000,00. Für die Beer­di­gung des Joseph hat die Maria € 10.000,00 ausgegeben.

Als gesetz­li­che Mit­er­bin wäre Katha­ri­nas Erbquote
25%
Als Pflicht­teils­be­rech­tig­te erhält Katha­ri­na nur die Hälf­te, also 12,5 %
12.5%

Der Pflicht­teils­an­spruch bemisst sich ledig­lich nach dem Nach­lass­be­stand am Todes­tag des Joseph. Das Geld­ge­schenk bleibt zunächst unbe­rück­sich­tigt. Als ers­tes wird der Nach­lass­be­stand zusam­men­ge­zählt. Es  ergibt sich ein Gesamt­be­stand der Ver­mö­gens­wer­te von

0
Akti­va

Als abzugs­fä­hi­ge Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten sind nur die Beer­di­gungs­kos­ten anzu­set­zen. Vom Aktiv­be­stand sind des­halb abzuziehen

0
Pas­si­va

Es ver­bleibt als Bemes­sungs­grund­la­ge für den Pflicht­teils­an­spruch ein Betrag von

0
Sal­do

12,5 % hier­von sind

€ 36.250

Das Geld­ge­schenk von € 50.000,00 an Mar­tin bleibt nicht unbe­rück­sich­tigt, da im Todes­zeit­punkt noch kei­ne 10 Jah­re seit der Schen­kung ver­gan­gen waren. Für jedes vol­les Jahr zwi­schen Schen­kung und Tod fal­len jedoch 10% des Schen­kungs­wer­tes weg. Das Geld­ge­schenk wird also nur mit 50% sei­nes ursprüng­li­chen Wer­tes berück­sich­tigt. Zur Ver­ein­fa­chung der Berech­nung bleibt für die­se Bei­spiels­be­rech­nung der Kauf­kraft­ver­lust außer Acht. Es ergibt sich also eine Bemes­sungs­grund­la­ge für den Pflicht­teils­er­gän­zungs­an­spruch von 

0
Bemes­sungs­grund­la­ge

12,5 % hier­von sind

€ 3.125

Katha­ri­na kann also die Sum­me aus € 36.250,00 und € 3.125,00 von der Allein­er­bin und Wit­we Maria verlangen.

Sum­me aus Pflicht­teils­an­spruch und Pflichtteilsergänzungsanspruch
€ 39.375

Katha­ri­nas Anspruch beginnt am Ende des Jah­res, in dem Jospeh ver­stor­ben ist zu ver­jäh­ren. Die Frist läuft dann 3 Jah­re und muss recht­zei­tig gehemmt wer­den sonst kann Katha­ri­na ihren Anspruch nicht mehr durchsetzen.

Beach­ten Sie bit­te, dass die vor­ge­nann­te Rech­nung zur Ver­ein­fa­chung kei­ne laten­ten Ertrag­steu­er­las­ten ent­hält. Die­se kön­nen den Anspruch erheb­lich redu­zie­ren. Beach­ten Sie hier­zu bit­te den dies­be­züg­li­chen Bei­trag in der Erbrechtskategorie.

Der Pflichtteilsanspruch im Erbrecht

“Sie sind von der Erb­fol­ge aus­ge­schlos­sen. Es steht Ihnen der gesetz­li­che Pflicht­teil zu.” 

Mit die­sen viel­sa­gen­den Wor­ten schließt der häu­fig uner­freu­li­che Brief des Nach­lass­ge­richts an das im Tes­ta­ment über­gan­ge­ne Kind oder den vor dem Tod des Erb­las­sers in Ungna­de gefal­le­nen Ehe­gat­ten. Was für Rech­te bestehen nun? Was muss ich als Pflicht­teils­be­rech­tig­ter tun?

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